Mittwoch, 3. Juli 2013

Kalifornien 4: Vom Kings Canyon/Sequoia National Park nach Fresno und Sacramento

29.5.2013  bis 2.6.2013

 Wir bleiben zwei Tage im Kings Canyon National Park im Herzen der Sierra Nevada, und übernachten auf dem Sunset Campground, unweit des Kings Canyon Besucherzentrums im äußersten Westen des Parks, der mit dem unmittelbar benachbarten Sequoia National Park zusammen verwaltet wird. Das Gelände der beiden Parks ist groß und weist wegen extrem unterschiedlicher Höhen zwischen 400 m und über 4000 m nicht nur in landschaftlicher Hinsicht eine beeindruckende Vielfalt auf. Nur wenige Straßen erschließen das Gebiet, doch gibt es ca. 2000 km markierte Wanderwege. Hauptattraktion sind aber zweifellos die Sequoias, Riesenmammutbäume, die bis zu 94 m hoch und über 3000 Jahre alt werden können und einen Durchmesser von bis zu 12 m erreichen. Das natürliche Verbreitungsgebiet dieser immergrünen Koniferenart liegt nur hier, an den Westhängen der Sierra Nevada in Kalifornien, wo die Giganten in verstreuten Hainen wachsen. Sie sind von der letzten Eiszeit verschont geblieben und so als einzige Überlebende eine Erinnerung daran, wie Bäume aussahen, die vor 100 Mio. Jahren in weiten Teilen der Erde gediehen. Zwar können ihre nächsten Verwandten, die Küstensequoien in Nordkalifornien, noch höher wachsen, sie sind aber viel schlanker und haben bei weitem nicht so viel Masse.
Am Tage unserer Ankunft fahren wir nachmittags noch zum nahe gelegenen „General Grant Grove“, einem Sequoia-Hain, in dem auch der General Grant Tree steht, der volumenmäßig zweitgrößte Baum der Erde, 81 ½ m hoch, an der Basis 10 m Durchmesser, geschätzte 2000 Jahre alt. Wir laufen den Fußweg, der durch den Hain führt. Wie gigantisch diese archaischen Bäume sind, kann man erst wirklich ermessen, wenn man davor steht. Wie Zwerge fühlen wir uns angesichts der unglaublichen Riesen, die endlos in den Himmel zu ragen scheinen. 


Den ersten Weißen, die die Sequoias um 1830 während einer Expedition in der Sierra Nevada entdeckten, glaubte man nicht. Wirklich zur Kenntnis nahm man die Riesen erst ca. 20 Jahre später und sogleich wurde mit dem Fällen der uralten Bäume begonnen, obwohl sich schnell herausstellte, dass das Holz der Sequoias von geringer Qualität war und das Fällen und der Abtransport sich als sehr schwierig gestaltete. Erst die Schaffung des Sequoia National Parks im Jahre 1890 stoppte die Abholzung und stellte die einzigartigen Bäume unter Schutz. Der „Big Stump Trail“ in der Nähe des Parkeingangs zum Kings Canyon National Park führt durch ein altes Abholzungsgebiet mit riesigen Baumstümpfen. Hier wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die vermutlich größten Sequoias überhaupt gefällt.


Der Abend auf dem Campingplatz ist angenehm kühl – wir befinden uns ja hier auf ca. 2000 m Höhe - und auch sehr ruhig. Die meisten Touristen zieht es wohl eher nach Lodgepole im Sequoia National Park, wo es mehr Serviceangebote für Besucher gibt und den bekannten „Giant Forest“, einen besonders spektakulären Sequoia-Hain. 


Die Sierra Nevada ist auch Lebensraum für die Schwarzbären, jeder Stellplatz auf dem Campground ist deshalb mit einem Stahlschrank ausgestattet, in dem man nach Ankunft unverzüglich sämtliche Lebensmittel verstauen soll, ebenfalls alles, was stark riecht, wie Zahnpasta, Seife, Deo etc., damit die Bären gar nicht erst auf dumme Gedanken kommen. 1990, als wir zum ersten Mal hier waren, zufälligerweise auch auf dem Sunset Campground, gab es lediglich Warnschilder, die dazu aufforderten, alles Essbare im Auto aufzubewahren. Nachts um 3 Uhr wurden wir damals durch lautes Getöse aus dem Schlaf gerissen, Taschenlampen flackerten plötzlich, Stimmen schwirrten durcheinander. Gerold verfolgte den nächtlichen Aufruhr aus dem Zelt heraus und beobachtete, wie unsere Nachbarn, eine Latino-Großfamilie, die spät am Abend noch aufwendig gekocht hatte, mit großem Lärm einen Bären vertrieb  – die hatten wohl nach dem Essen ihren Tisch zumindest nicht vollständig abgeräumt.....


An den nächsten beiden Tagen erkunden wir mit den Rädern die Nationalparks. Wir fahren rüber nach Lodgepole zum Sequoia National Park. „Rolling Hills“ würden uns hier erwarten, erklärte uns eine Rangerin, am Ende dieses anstrengenden Trips zeigt unser Tacho fast 90 km und über 1700 Höhenmeter. Aber es lohnt sich: Auf dem Generals Highway, der die beiden Nationalparks verbindet, fühlt man sich oft wie auf einer Aussichtsplattform, so spektakulär sind die Blicke ins Central Valley. Die größte Attraktion im Sequoia National Park ist der „Giant Forest“ mit besonders schönen Exemplaren der Riesenmammutbäume. Auf dem Wege dorthin schauen wir uns auch noch den General Sherman Tree an, den volumenmäßig größten lebenden Baum der Erde. Ein Fußweg führt zu dem Giganten, dessen Alter auf unglaubliche 2300 bis 2700 Jahre geschätzt wird.  Mit einer Höhe von 83,8 m ist er fast unfotografierbar. An der Basis hat er einen Durchmesser von 11 m, was einem Umfang von 31 m entspricht. Die Krone ist abgestorben, in die Höhe wachsen kann er also nicht mehr, wohl aber in die Breite. Alte Mammutbäume sind nahezu unzerstörbar. Ihr Holz enthält eine Substanz, die sie quasi immun gegen Insekten- und Pilzbefall macht, auch Stürme können ihnen so leicht nichts anhaben, die dicke Rinde trotzt selbst schweren Waldbränden, die Bäume wachsen einfach unbeeindruckt weiter. Die größte Gefahr für sie geht vom Menschen aus.


In der Nähe des Kings Canyon Besucherzentrums fahren wir noch steil hoch zum Panoramic Point, einem Aussichtspunkt auf 2300 m Höhe, von dem aus man einen phantastischen Blick auf die Berggipfel der Sierra Nevada hat, unter denen es etliche Viertausender gibt, z.B. den Mt. Whitney, den man von hier aus allerdings nicht sehen kann. Er ist mit 4418 m der höchste Berg in den USA außerhalb von Alaska.


Am Tag unserer Abreise laufen wir noch den kurzen Big Stump Trail mit den Riesenbaumstümpfen, auch direkt am Parkeingang gibt es einen beachtlichen Baumstrunk, auf dem ich Gerold mit vier Grazien ablichte. Dann lassen wir uns auf der 180 wieder zurück ins Central Valley rollen, fast 2000 Höhenmeter verlieren wir bei dieser rasanten, über 30 km langen Abfahrt. Oben in der Sierra Nevada war die Temperatur angenehm, hier unten im Tal empfängt uns Backofenhitze. Für heute sind wir bei Susan und Brian von „Warmshowers“ in der Nähe von Fresno angemeldet, wo wir am späten Nachmittag nach einer glutheißen Anfahrt durch endlose Orangenplantagen ankommen. Unsere Gastgeber wohnen inmitten einer Granatapfelplantage, die sie aber eher hobbymäßig betreiben, und mit Blick auf den Kings River, der für den dramatischen Kings Canyon im Nationalpark verantwortlich ist. Brian stammt von hier und war früher Manager von Rosinenfarmen, Susan ist Lehrerin und kommt aus der kühleren Bay Area. An die Sommerhitze im Valley habe sie sich nach all den Jahren immer noch nicht gewöhnt, meint sie, da müsse man wohl hier geboren sein. Zum Anwesen gehört auch noch ein wunderschöner Garten mit Teich, den die beiden selber gestaltet und bepflanzt haben. Beim Abendessen – es gibt frisch zubereitete Leckereien aus dem Garten, dazu köstlichen Granatapfelsaft aus 100 % Frucht – erzählen wir von unseren Plänen, durch das Valley zum Yosemite National Park in der Sierra Nevada zu radeln. Brian rät uns dringend ab. An den  nächsten Tagen soll die Temperatur auf über 40 Grad steigen. Außerdem seien die Campgrounds im Yosemite schon Wochen im Voraus ausgebucht. Nur einige wenige Plätze würden für Besucher ohne Reservierung freigehalten und jeden Tag neu vergeben, dafür würden die Leute aber morgens schon stundenlang anstehen. Brian hat eine viel bessere Idee: Als Radfahrer weiß er, dass man auf der Strecke Fresno – Sacramento Räder unverpackt im Zug mitnehmen darf. Auf diese Weise könnten wir den Glutofen Central Valley bequem und klimatisiert verlassen. Wir sind schnell überzeugt – die Hitze war heute schon brutal und ein Abstecher in den Yosemite macht wegen der Übernachtungsprobleme auch keinen Sinn. 


Am nächsten Morgen bringen uns Brian und Susan mit ihrem Pickup zum Bahnhof nach Fresno, total nett. Zum Frühstück gab es frisch zubereiteten Brotpudding mit den letzten Aprikosen aus dem Garten, superlecker. Außerdem bekommen wir zwei Flaschen tiefgefrorenen Granatapfelsaft mit auf den Weg. Dick eingepackt in mehrere Kleidungsstücke bleibt er lange kühl und erfrischt uns bis zum Nachmittag.





Nach rund 2000 Höhenmetern Anstieg gabelt sich die Straße. 
Wir wollen einige Tage im Kings Canyon Nationalpark zelten und von dort Tagesausflüge in die Umgebung machen.


Hier oben ist die Sierra Nevada dicht bewaldet.




Besonders schöne Sequoia-Bäume im Kings Canyon National Park - 
leider hat die Parkverwaltung unmittelbar daneben Toilettenhäuschen aufstellen lassen.



Vor den  Sequoias (2)



      "Nationaler Weihnachtsbaum" der USA im General Grant Grove 
(Kings Canyon National Park): Dieser Riesenmammutbaum 
(Sequoiadendron giganteum) heißt nach einem General aus dem amerikanischen Bürgerkrieg "General Grant Tree" und ist, gemessen am Holzvolumen des Stammes, der zweitgrößte Baum der Welt.
Im Jahr 1926 wurde er durch eine Präsidentenverfügung 
zum "Nation´s Christmas Tree" erklärt.



General Grant Tree (2)



General Grant Tree (3)



General Grant Tree (4): Hier erkennt man, dass der Baum schon viele Waldbrände erlebt hat, die ihm aber nicht wirklich etwas anhaben konnten. 
Seine dicke, schwer entflammbare Rinde schützt ihn.



Waldlichtung auf dem Weg zum "Panoramic Point" 



"Panoramic Point" im Kings Canyon NP auf 2200 m Höhe 
mit Blick auf die Viertausender der Sierra Nevada


Unser Zeltplatz im Nationalpark: 
Zu jeder Campsite gehört eine Sitzbank, eine Feuerstelle und ein Stahlschrank, in dem man alle Nahrungsmittel verstauen muss ...



... um hungrigen Schwarzbären keine Chance zu geben!
Haben die Tiere nämlich erst einmal gelernt, dass es auf Campingplätzen etwas zu holen gibt, kommen sie immer wieder, dringen auf der Suche nach Essbarem in Zelte ein, brechen Autos auf.
Solche Problembären sind für Menschen gefährlich 
und werden "destroyed", d.h. abgeschossen.



Das  Abendessen kochen wir fast immer auf dem selbstgebastelten "Hobo-Stove". Als Brennstoff reichen in paar Zweige.



Anstrengender Tagesausflug (fast 90 km und 1700 Höhenmeter) zum 
Sequoia National Park



Unterwegs zum Sequoia National Park (2)



                        Unterwegs zum Sequoia National Park (3)



Unter einem Mammutbaum



Die Baumriesen sind gar nicht so einfach zu fotografieren!



Größter, aber nicht höchster Baum der Welt: 
Der "General Sherman Tree" im Sequoia National Park. 
Er wurde nach einem Bürgerkriegsgeneral benannt, 
ein paar Jahre lang hieß er aber auch "Karl Marx Tree" . 
Sein Alter wird auf über 2000 Jahre geschätzt



http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/2/28/Baumstumpf_2.jpg
Rund 90% des Bestandes an Riesenmammutbäumen 
fiel der Holzindustrie zum Opfer.




Zusammen mit vier Grazien auf einem über 100 Jahre alten Sequoia-Stumpf.



Riesensequoia-Baumstumpf (2)

2000 Höhenmeter "downhill" vom Nationalpark nach Fresno im Central Valley



Hier unten ist es flirrend heiß - 
dabei hat  der Sommer noch gar nicht richtig angefangen.



Leckeres Abendessen bei unseren supernetten Warmshowers-Gastgebern Brian und Susan in der Nähe von Fresno. Sie raten uns dringend davon ab, weiter mit dem Rad durchs Valley bis nach Sacramento zu fahren: Eintönige Landschaft und VIEL zu heiß! "Why don´t you take the train?"



Abends relaxen wir gemeinsam mit unseren Gastgebern am Gartenteich.



Wir haben uns überzeugen lassen! Am nächsten Morgen laden wir unsere Räder auf Brians Pickup, unsere neuen Freunde bringen uns zum Bahnhof.



Wir gönnen uns was im Sabbatjahr: 
Vier Stunden superbequeme Zugfahrt nach Sacramento 
statt vier knochenharte Radltage!

Montag, 1. Juli 2013

Kalifornien 3: Von Santa Barbara durch das Central Valley zum Kings Canyon/Sequoia National Park

18.5.2013  bis  29.5.2013 


Hinter Santa Barbara verlassen wir den Pacific Coast Highway und biegen ins Landesinnere ab. Das Küstengebirge überqueren wir in zwei Tagen. Die erste Nacht verbringen wir auf dem „Wheeler Gorge Campground“, einem einfachen Zeltplatz, der zum Los Padres National Forest gehört. Am Wochenende war hier alles ausgebucht, jetzt sind wir fast die einzigen Gäste. Zum Schutz gegen hungrige Waschbären hängen wir unsere Lebensmittel in einen Baum, vergessen aber einige Sachen und bekommen gegen Morgen prompt Waschbärenbesuch. Das Tier kriecht zwischen Außen- und Innenzelt – auf „meiner“ Seite!! Ich bin sofort hellwach, Gerold bewaffnet sich mit meinem Leki-Wanderstock und schlägt damit ein paarmal auf den Boden. Das hilft, aber danach ist mein teurer Stock zerbrochen. Der Waschbär muss wohl zum Nachbarn gegangen sein, denn kurze Zeit später hören wir von dort Aufruhr…..

Am nächsten Tag klettern wir bei großer Hitze mit einigen Gegenanstiegen auf ca. 1500 m. Die Strecke ist landschaftlich wunderschön, sehr trocken, wüstenartig. Wheeler Gorge lag schon sehr einsam, hier wohnt jetzt niemand mehr. Am höchsten Punkt geht uns das Trinkwasser aus. Wheeler Gorge war zu unserer Überraschung „trocken“, wir hatten Glück, dass uns der Platzwart mit einer Gallone (knapp 4 l) versorgt hat, aber die ist jetzt aufgebraucht. Wir haben nur noch Wasser aus einem Bach, das man unbehandelt nicht trinken kann. Vor uns breitet sich ein Meer aus Hügeln aus – das sieht nicht nach einer einfachen Abfahrt aus, wie wir gedacht hatten, und ein Ort ist auch nicht in Sicht. Gerold stellt sich an den Straßenrand und wedelt mit einer leeren Wasserflasche – die Sprache versteht in der Wüste jeder. Viele Autos sind hier nicht unterwegs, aber alle halten – ein beruhigendes Gefühl in dieser für uns Mitteleuropäer so lebensfeindlich wirkenden Umgebung. Nach drei Autos haben wir einen Notvorrat an Trinkwasser zusammen – und zwei Dosen eiskaltes Bier. Im ersten Wagen, der hielt, saßen nämlich Mexikaner, die zwar kein Wasser im Auto hatten, aber jede Menge "cerveza" …. Am selben Tag kommen wir aber dann doch noch halbwegs zurück in die Zivilisation, in ein dünn besiedeltes Hochtal, in dem mit großem Bewässerungsaufwand u.a. Alfalfa angebaut wird. Verrückt! Eigentlich ist das eine Wüste. Wir zelten auf dem Reyes Creek Campground, einem staubigen Wüstenplatz mitten im Nirgendwo. Gleich nebenan befindet sich „Camp Scheideck“, eine kleine Siedlung aus „Mobile Homes“ mit einem etwas ungewöhnlichen Friedhof…

Am nächsten Morgen fahren wir steil ins sogenannte „Central Valley“ ab. Dieses Längstal ist über 600 km lang, bis zu 80 km breit und wird von allen vier Seiten durch Gebirgsketten begrenzt. Das kalifornische Küstengebirge im Westen haben wir gerade überquert, jetzt wollen wir mitten durch das Tal Richtung Norden fahren und dabei Abstecher in die Sierra Nevada machen, die Gebirgskette im Osten.

Nach der langen Abfahrt umfängt uns unten im Tal auf nur noch ca. 200 m Höhe Backofenluft, es ist fast 37 Grad heiß, aber für die nächsten Tage ist kühleres Wetter angesagt, „nur“ noch um die 30 Grad. Das Central Valley ist Kaliforniens größtes Anbaugebiet für Obst und Gemüse, von hier aus wird nicht nur in die ganze USA geliefert, sondern auch in andere Länder. Irgendwie hatten wir uns das deshalb alles etwas anders vorgestellt, grüner, üppiger, aber die Landschaft ist wüstenartig. Im Sommer fällt praktisch kein Regen und es wird sehr heiß. Die intensive landwirtschaftliche Nutzung ist nur mit gigantischem Bewässerungsaufwand möglich.

Viele Leute hatten uns abgeraten, durch das Central Valley zu touren, zu heiß, zu langweilig etc. Bestätigen können wir, dass es nicht gerade die spannendste Strecke ist, allerdings fast immer flach. Wir fahren durch endlose Obst- und Gemüseplantagen, manchmal aber auch einfach nur durch öde Wüste, oft mit sehr viel Gegenwind. Trotzdem ist es ein Erlebnis, dieses unglaublich weite Tal mit dem Fahrrad zu bereisen. Wie überall in der kalifornischen Landwirtschaft dominieren auch im Valley die Mexikaner. Sie arbeiten in den Plantagen und haben hier eine interessante Subkultur entstehen lassen: Supermärkte, Imbisse, Bäckereien, Geschäfte, Autowerkstätten – manchmal fühlen wir uns hier wie in Mexiko. Wir finden das interessant und schauen uns gerne in den Latino-Supermärkten um, aber in Kalifornien bzw. in den USA allgemein gibt es natürlich sehr unterschiedliche Meinungen über die vielen Einwanderer aus Mittelamerika und die sich daraus ergebenden Probleme.

Nach 2 ½ Tagen erreichen wir Porterville. Der Ort liegt am Ostrand des Valleys, quasi am Fuße der Sierra Nevada und nicht so weit entfernt vom „Kings Canyon/Sequoia National Park“, unserem nächsten Ziel. In Porterville erwartet uns Hank von Warmshowers. Von ihm erfahren wir, dass am Montag „Memorial Day“ ist, ein nationaler Feiertag, die Amerikaner bereiten sich also auf ein langes Wochenende vor, außerdem beginnen die Sommerferien. Hank rät uns dringend ab, unter diesen Umständen weiterzufahren, die Campingplätze seien nicht nur in den Nationalparks, sondern überall schon auf Wochen ausgebucht und die Straßen überfüllt. So kommt es, dass wir am Ende länger als geplant bei Hank bleiben. Porterville ist nicht gerade die spannendste Stadt – man müsse dem Brötchenteig beim Aufgehen zuschauen, wenn man hier mal ein bisschen Unterhaltung wolle, so ein Freund von Hank.  Aber das macht nichts – wir haben noch viel am Blog zu arbeiten und Hank ist supernett. Wir verbringen eine entspannte Zeit bei ihm, abends, wenn es kühler wird, sitzen wir mit seinen Freunden zusammen, grillen, plaudern….

Am Memorial Day reisen wir ab – heute Abend dürften die Campingplätze wieder leer sein. 2 ½ anstrengende Tage brauchen wir, bis wir den Kings Canyon National Park in der Sierra Nevada erreichen, wir müssen nämlich auf über 2000 m klettern. Hinter Porterville machen wir noch einen Abstecher in den kleinen Ort Exeter, Zentrum des Obstanbaus und bekannt für seine Wandmalereien. Zum Kings Canyon National Park nehmen wir eine kaum befahrene Nebenroute, die Dry Creek Road, durch landschaftlich sehr schönes und äußerst dünn besiedeltes Gebiet, nur vereinzelt sieht man weit von der Straße entfernt Farmhäuser. Wildzelten wäre trotzdem unmöglich, weil alles eingezäunt und abgesperrt ist. Am zweiten Abend haben wir Probleme, einen Übernachtungsplatz zu finden. Der Campingplatz, auf dem wir eigentlich bleiben wollten, existiert nämlich nicht mehr und Motels sind auf dieser Nebenstrecke dünn gesät. Wir fragen einen jungen, ortskundig wirkenden Mann, ob er vielleicht ein günstiges Motel in der Nähe kenne. So lernen wir Brandon und Passion kennen, die nicht weit entfernt in einem Trailerpark (einer Art Wohnwagensiedlung) leben und uns spontan anbieten, neben ihrem Trailer zu zelten. Es wird eine der nettesten und interessantesten Begegnungen in Kalifornien. Brandon bezeichnet sich selbst stolz als „hillbilly“, ein Ausdruck, der in den USA oft abschätzig für Leute benutzt wird, die verstreut oder in Wohnwagenkolonien in den Bergen (hills) leben und einen etwas anderen Lebensstil pflegen. Brandon ist 30, Passion vielleicht Mitte 20, im September kommt das erste Kind. Beide haben keine festen Jobs, Brandon macht Gelegenheitsarbeiten. Sie leben in einem Wohnwagen, weit entfernt von dem nächsten größeren Ort mitten in der Natur, haben Hühner, Enten und Hasen. Die beiden lassen es sich nicht nehmen, uns zum Abendessen einzuladen. Brandon erzählt uns bei der Gelegenheit, was bei ihnen sonst noch so auf den Tisch kommt: Eichhörnchen, die er mit Erdnussbutter anlockt (Passion findet ihr Fleisch nicht so lecker), Schlangen…. Passion ist ein ganz liebes Mädchen und Brandon ein cleverer Bursche, er kann viel und interessiert sich für alles. Wir verbringen einen sehr netten Abend mit den beiden. An dieser Stelle muss auch einmal gesagt werden, dass die Amerikaner unglaublich gastfreundlich sind. In keinem anderen Land der Welt haben wir jemals so viel spontane Hilfsbereitschaft und überwältigende Gastfreundschaft erlebt. Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von Brandon und Passion, wir haben noch ein paar anstrengende Kletterstunden vor uns, bis wir am frühen Nachmittag den Eingang zum „Kings Canyon/Sequoia National Park“ erreichen.





Die amerikanischen Trucks gefallen uns sehr - solange sie parken.



Am Lake Casitas in den Bergen hinter Santa Barbara



Auf dem  Wheeler Gorge Campground: Alle Wasserhähne sind abmontiert - 
zum Glück schenkt uns der Verwalter einen Kanister mit Trinkwasser.



Auf dem Campground wächst  "Poison Oak", eine giftige Pflanze, 
die bei Berührung heftige allergische Reaktionen 
und stark juckende Hautausschläge verursacht, 
die wochenlang anhalten können. 



             Hinter dem Wheeler Gorge Campground 
geht es viele Kilometer lang nur bergauf.



Die Sonne brennt - von "icy" kann hier keine Rede sein.



Kurz vor der Passhöhe (1)



                                    Kurz vor der Passhöhe (2)



Als wir endlich oben sind, haben wir kaum noch Trinkwasser. 
 Unsere einzige Chance: Autos anhalten und um Wasser bitten!



Suchbild mit Uschi:  Downhill hinter dem Pass - in dem Hochtal, das man in der Ferne sieht, wird u.a. Alfalfa angebaut. 



Sehr steiler Zwischenanstieg kurz vor dem nächsten Zeltplatz 



Reyes Creek Campground am Rande des Los Padres National Forest



Auf nächtliche Besuche hungriger Waschbären haben wir keine Lust 
und hängen daher alles Essbare hoch in einen Baum.




"Camp Scheideck" in der Nähe unseres Zeltplatzes



Auf dem Friedhof von Camp Scheideck (1)



Auf dem Friedhof von Camp Scheideck (2)



Wir verlassen den Los Padres National Forest 
und fahren weiter Richtung Central Valley.



Mit den Ranchern hier ist offensichtlich nicht zu spaßen ...



... daher verzichten wir einstweilen lieber aufs Wildzelten.



Nutzpflanzen gedeihen hier nur mit künstlicher Bewässerung.



Frisches Alfalfa-Heu fertig zum Abtransport



Kurz vor der steilen Abfahrt ins Central Valley
 - leider müssen wir hier wieder auf ziemlich gefährlichen Straßen radeln.



Ölförderung im Central Valley 



Schöner Campingplatz an einem künstlichen See: 
Buena Vista Aquatic Recreation Area




Auf solchen Straßen sind wir tagelang unterwegs.




Damit wir ihn leichter finden, hat Hank ein Schild 
an seinem Briefkasten befestigt.



Zur Begrüßung kredenzt uns Hank ein eiskaltes Erfrischungsgetränk :-)



24. Mai 2013, Porterville, California: 12 000 km geschafft!





Das Städtchen Exeter ist ein Zentrum des Obstanbaus im Central Valley
 und auch bekannt für seine Wandmalereien ("murals").



"Murals" in Exeter (2)



"Murals" in Exeter (3)



"Murals" in Exeter (4)


"Murals" in Exeter (5)



Tante-Emma-Laden der amerikanischen Art: 
Hier gibt es (fast) alles, was man in dieser Gegend zum Leben braucht: Lebensmittel, eine Tasse Kaffee, Fast Food, Propangasflaschen, Brennholz, Benzin, Autozubehör, Anglerbedarf ... und natürlich Budweiser Bier.

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Ein paar Meilen weiter: Die Konkurrenz



Auf der Dry Creek Road unterwegs Richtung Kings Canyon National Park



Dry Creek Road: Die Straße wird immer steiler.



Das sind 15 % Steigung!



Vor dem Trailer von Brandon und Passion



Direkt nebenan bauen wir unser Zelt auf.



Brandon hat viele Talente: Er ist passionierter Gitarrist, dreht Youtube-Filme, 
kann Erste Hilfe z.B. bei Schlangenbissen leisten...... 
Sein Geld verdient er mit der Reparatur von Maschinen aller Art, 
daher sein Spitzname "Ingenieur".




Abschied von Passion und Brandon




Das kalifornische Längstal:


   USA Kalifornien Relief

StepMap USA Kalifornien Relief