Montag, 8. Juli 2013

Washington D.C. (4): Unsere letzten Tage in den USA

Washington:  25.6.2013 bis 30.6.2013

Am Dienstagabend sind wir wieder bei Ted in Takoma Park. Wir fahren noch ein paarmal nach Washington, besuchen Museen, das Air and Space Museum, National Museum of the American Indian, Natural History Museum, American History Museum, alle sind beeindruckend. Für das US Holocaust Memorial Museum fehlt uns am Ende die Zeit, aber wir haben dort 1998 schon einen ganzen Tag verbracht, es ist das beste Museum zum Thema Holocaust, das wir kennen. Im Bereich der National Mall schauen wir uns noch weitere Gedenkstätten an, das relativ neue Martin Luther King Jr. National Memorial, die weitläufige Gedenkstätte für Franklin D. Roosevelt, die in mehrere „Räume“ unterteilt ist, und das monumentale Jefferson Memorial. Die Tage sind vollgepackt, die Zeit vergeht (leider) wie im Fluge. Im Laufe der Woche wird es immer heißer und schwüler, jeden Tag gewittert und regnet es – hatten wir ein Glück auf C&O-Kanal!

Am Samstag begleiten wir Ted zu einer Demonstration, die mitten in Washington stattfindet und sich gegen die TD- Bank richtet (siehe Extra-Blog, Washington, D.C., 3)

Dann wird es schon Zeit Abschied zu nehmen, von Ted und einer spannenden Zeit in den USA. Am Sonntagabend fliegen wir nach Island. Ted hat wieder ein Auto gemietet und bringt uns zum Flughafen. 

Unsere Reise von San Francisco nach Washington und weiter nach Island:
         Nordamerika und Island



Zurück vom C&O-Kanal: am Weißen Haus


National Mall: Mit dem Rad unterwegs zum Capitol


Air and Space Museum: Terrorwaffe "Made in Germany" - 
die V 2, die erste Rakete der Welt


Air and Space Museum: Raketenausstellung; links die V2


Historische Flugzeuge im Air and Space Museum (1): 
Mit der "Spirit of St. Louis" gelang Charles Lindbergh 1927 der erste Transatlantik-Alleinflug.


Historische Flugzeuge im Air and Space Museum (2): 
Das erste Flugzeug der Welt wurde von den Gebrüdern Wright gebaut, 
der Jungfernflug fand am 10. Oktober 1902 in Kitty Hawk (North Coralina) statt.


Um die Mittagszeit im Zentrum von Washington, D.C.: 
An den mobilen Imbisswagen, die Gerichte aus aller Welt anbieten, versorgen sich Geschäftsleute, Büroangestellte und Touristen mit Essen.   


Hier gibt es "Pho", die vietnamesische Suppe. die zu unseren Lieblingsgerichten gehört.


Wir entscheiden uns schließlich  für ein äthiopisches Gericht, das uns dieser nette Herr serviert - 
auch wenn er offensichtlich kein Äthiopier ist.


Im Natural History Museum (1)


Im Natural History Museum (2): Tyrannosaurus Rex Skelett


National History Museum (1): So wird hier der Vietnamkrieg aufgearbeitet.


National History Museum (2): Mauerabschnitt aus Berlin

Martin-Luther-King Memorial (1)


Martin-Luther-King Memorial (2)


Franklin D. Roosevelt mit Hund Fala


Thomas Jefferson Memorial


Jefferson-Statue im Memorial


Abschiedsessen in einem der vielen äthiopischen Restaurants in Washington


Beim Äthiopier (2): Die leckeren Gerichte werden auf äthiopischem Fladenbrot (Injera) angerichtet.


Vor unserem letzten Flug im Sabbatjahr: Diesmal verpacken wir unsere Räder nicht
 am Flughafen, sondern bei Ted im Wohnzimmer.

Donnerstag, 4. Juli 2013

Washington D.C. (3): Die Demo

29. Juni 2013

Wir helfen unserem Freund Ted bei der Vorbereitung und Durchführung einer Demonstration von Climate first!, die mitten in Washington stattfindet und sich gegen die Toronto-Dominion Bank richtet. Diese zweitgrößte kanadische Bank will sich in großem Umfang an der Finanzierung der geplanten Keystone XL-Pipeline beteiligen, mit der aus kanadischen Teersandvorkommen gewonnenes Rohöl von Alberta aus durch Kanada und die ganze USA bis nach Texas gepumpt werden soll. Wegen der damit verbundenen erheblichen Umweltrisiken wird dieses Projekt von amerikanischen und kanadischen Umweltschützern heftigst kritisiert. 


Freitag, 28. Juni: Wir malen Protestplakate für die morgige Demonstration.



Das MUSS die Passanten doch überzeugen!



Samstag, 29. Juni, 10 a.m.:  Die Demonstranten treffen sich am Dupont Circle im 
Zentrum von Washington D.C. Ted hält eine kurze Rede, in der er die Ziele der Aktion 
erläutert und alle Teilnehmer zu strikter Gewaltlosigkeit auffordert. 



Wir nehmen unsere Schilder und marschieren zur Filiale der TD-Bank.



Leider ist von einer Polizeieskorte weit und breit nichts zu sehen.
 Deshalb marschieren wir statt auf der Fahrbahn sicherheitshalber auf dem Gehsteig.



Demonstranten vor der Filiale der TD-Bank (1)



                                                Demonstranten vor der TD-Bank (2)



Demonstrant mit selbst gemaltem Protestplakat



dito



Wir betreten das Bankgebäude ... und werden NICHT rausgeschmissen oder gar verhaftet! Die Bankmanagerin verbietet uns zwar hier das Fotografieren, ist aber zu einem Gespräch mit Ted bereit. Natürlich ist sie nicht befugt, die Unternehmenspolitik ihrer Bank in irgendeiner Form zu kommentieren. Sie sagt zu, unser Anliegen weiterzuleiten und sich um einen 
kompetenteren Diskussionspartner für Ted zu bemühen.



Dann marschieren wir zu einer weiteren Filiale der TD-Bank, mit ganz ähnlichem Ergebnis.
Zum Abschluss der Aktion machen wir Passanten und Autofahrer, 
die an der Ampelkreuzung hier halten müssen, auf unser Anliegen aufmerksam.





Zwei Tage später erscheint dieser Bericht über unsere Aktion auf der 
Webseite von EcoWatch, einer einflussreichen
 amerikanischen Umwelt-Nachrichtenagentur! Ted ist zufrieden ...



         Foto: Here's a good write-up by Common Dreams.org of the direct action/civil disobedience yesterday in Washington, D.C. against the consulting firm, ERM:  https://www.commondreams.org/further/2013/07/26-2.  The activist in the paddy wagon is the founder of Climate First!.
Dass unsere Aktion nicht ganz ungefährlich war, wird uns erst bewußt, als Ted ein paar Wochen später später bei einer ähnlichen Demonstration verhaftet und mit Handschellen gefesselt abtransportiert wird.

Washington D.C. (2): Radtour am C&O Canal

20. bis 25. Juni 2013

Unsere Radtour führt uns am Potomac River entlang, der mitten durch Washington fließt. Parallel zu diesem mächtigen Fluss verläuft in nordwestlicher Richtung der „Chesapeake and Ohio Canal“, auch kurz „C&O Canal“ genannt. Er sollte die Ostküste der USA auf dem Wasserweg mit den Großen Seen und dem Ohio River verbinden, da der Potomac wegen vieler Stromschnellen und Fälle nur begrenzt schiffbar ist. Der Kanalbau dauerte von 1828 bis 1850, es war ein ehrgeiziges Projekt und gestaltete sich aus unterschiedlichen Gründen schwierig. Z.B. sorgte der Potomac selber für immer neue Überraschungen, da seine Wasserstände erheblich schwankten. Später gab es große Konkurrenz durch die teilweise parallel verlaufende Eisenbahn. Trotzdem war der C&O Canal von 1850 bis 1924 in Betrieb, bis schließlich eine Hochwasserkatastrophe die Anlage so stark beschädigte, dass sich eine Wiederherstellung nicht mehr lohnte und es zur Einstellung des Kanalbetriebs kam. 

Jahrzehntelang kümmerte sich niemand um den Kanal. Danach gab es unterschiedliche Ideen, was mit dem alten Wasserweg passieren solle. Einige plädierten dafür, den Kanal zuzuschütten und auf seiner Trasse eine Straße anzulegen, um so den Autofahrern eine angenehme Fahrt den Potomac entlang zu ermöglichen. Am Ende siegten aber gottseidank diejenigen, die die gesamte Kanallandschaft bewahren wollten. So entstand 1971 der „Chesapeake and Ohio Canal National Historical Park“, der die gesamte Kanalstrecke als Kulturgut unter Schutz stellt – beginnend in Washington, im Stadtteil Georgetown, endend ca. 300 km weiter in der Stadt Cumberland. Der alte Treidelpfad, von dem aus vor langer Zeit die Transportkähne gezogen wurden, ist jetzt ein Wander- und Fahrradweg – und genau den wollen wir radeln.

Georgetown ist nicht sehr weit von der „National Mall“ im Zentrum von Washington entfernt, wo sich die Touristen drängen, aber als wir den alten Kanalweg erreichen, fühlen wir uns plötzlich wie in einer Oase der Ruhe – und das mitten in diesem dicht besiedelten Balllungsraum. Im Stadtbereich von Washington ist auf dem Weg noch relativ viel los, Spaziergänger, Jogger, Radfahrer, dann wird es sehr ruhig. Wir sind insgesamt sechs Tage unterwegs und haben sehr gutes Wetter. Nur am vorletzten Tag regnet es etwas, ansonsten bleibt es trocken, meist scheint voll die Sonne, glücklicherweise, denn der gesamte Weg ist geschottert und nasser Schotter lässt sich schwer fahren. Von den regnerischen Tagen davor haben wir zu Beginn noch viele matschige Stellen, später trocknet die Oberfläche immer mehr ab und wir können richtig Tempo machen. Manchmal verläuft der Kanal durch Wald und wir radeln wie durch einen grünen Tunnel, oft haben wir aber auch offene Blicke, zum Kanal und zum Potomac hin – wir fahren ja genau zwischen den beiden Wasserwegen.

 Der C&O-Kanal führt allerdings nur noch teilweise Wasser, dort sind dann Ausflugsboote und Kajaks unterwegs, ansonsten ist er zugewachsen und kaum noch als Kanal zu erkennen. Über 70 Schleusen halfen, den Höhenunterschied auf der Strecke zu überwinden, die Häuser der Schleusenwärter wurden restauriert und können z.T. als Unterkünfte gemietet werden. Der National Historical Park ist auf den gesamten 300 km mit kostenlosen „hiker-biker campsites“ ausgestattet, einfachen Übernachtungsplätzen mit Raum für eine begrenzte Anzahl von Zelten. Alle verfügen über einen Tisch, „pits“ (mobile Toiletten) und Wasser aus einer Pumpe. Manche Pits kann man riechen, bevor man sie erreicht, das Wasser ist mit Jod behandelt und gesundheitlich unbedenklich, aber fast ungenießbar. Doch sind die Plätze immer schön gelegen, oft mit Blick auf den Potomac. Solange wir am Kanal bleiben, befinden wir uns in einem abgeschotteten Raum. Bis auf die Stellen mit Straßenzugang sind insgesamt sehr wenig Leute unterwegs, wir hören nur die Vögel zwitschern, beobachten Hirschkühe mit Kitzen und Eichhörnchen, die über den Weg flitzen. Wenn wir abends rausfahren, um Wasser zu holen und fürs Abendessen einzukaufen, sehen wir erst, was „da draußen“ los ist: stark befahrene Straßen, sehr heiß – und extrem hügelig, am Kanal fahren wir ausschließlich flach. Dann sind wir froh, wieder zu unserem einsamen, ruhigen und vergleichsweise kühlen Kanal zurückkehren zu können….

Eigentlich hatten wir geplant, den ganzen C&O-Kanal zu fahren, bis Cumberland. Dort gibt es Anschluss an einen anderen Kanalweg, der bis Pittsburgh führt, noch einmal 141 Meilen (ca. 230 km), insgesamt also über 500 km. Von Pittsburgh wollten wir dann mit der Bahn zurückfahren, denn wir möchten vor unserer Abreise nach Island auch noch ein paar Tage in Washington verbringen. Aber der einzige Zug, der Räder mitnimmt, würde Pittsburgh nachts um 4 h verlassen, außerdem müssen die Räder in Boxen verpackt werden. Mitten in der Nacht in einer amerikanischen Großstadt mit Rädern zum Bahnhof - das ist sicher keine gute Idee. In Cumberland, am Ende des C&O-Kanals, darf man den Zug mit Rädern gar nicht besteigen. Einen Taxiservice gibt es zwar, aber extrem teuer.So bleibt uns nichts anderes übrig, als denselben Weg wieder zurückzufahren.  Wir radeln bis Meile 130 und kehren dann um. "Leopards Mill", unsere letzte „Hiker-biker Campsite“, bevor wir drehen, ist auch unsere schönste und wir haben sie ganz für uns alleine. Am vorletzten Tag zieht nachmittags ein Gewitter auf, viel Regen fällt nicht, aber der nasse Schotter bremst uns schon deutlich ab. Am nächsten Morgen werden wir oft durch heruntergefallene Äste und querliegende Baumstämme behindert. Einmal müssen wir den Weg sogar verlassen, weil es gar kein Durchkommen mehr gibt. Offenbar hat sich hier das Unwetter so richtig ausgetobt. Vor den Gewitterstürmen in den USA haben wir großen Respekt. Einmal überraschte uns auf einer anderen Fahrradtour von South Dakota nach Las Vegas ein Sommergewitter auf einem Campingplatz im Mittleren Westen. Das Zelt stand schon, wir suchten Schutz in der Toilette. Als wir uns wieder hinauswagten, war draußen alles weiß – von mehr als kirschgroßen Hagelkörnern. Durch unser Zelt floss ein kleiner Schlammbach, die Schlafsäcke waren nicht mehr zu benutzen. Wir riefen ein Motel im Ort an, das uns abholte, Zelt und Fahrräder mussten wir zurücklassen. Mit der Geschichte waren wir einen Tag später im örtlichen Käseblättchen…..

Unsere Radtour am C&O Canal entlang:



       Takoma Park

StepMap Takoma Park





Der Chesapeake and Ohio Canal beginnt in Georgetown, 
einem Vorort von Washington. 
Ab hier ist der Potomac nicht mehr schiffbar.



Am Kanal führt ein Treidelweg entlang, der heute  als Wander- und Radweg genutzt wird. 
Der Potomac fließt parallel zum Kanal, ist aber wegen des dichten
 Uferbewuchses oft nicht zu sehen.



Das Gebiet wird vom US National Park Service verwaltet.




Potomac River



Hier kommt nicht mal ein Wildwasserkajak durch:
Die "Great Falls" des Potomac, ca. 25 km hinter Georgetown.



Unser erster Zeltplatz: Chisel Branch Hiker-Biker Campsite



Historisches Schleusenwärter-Häuschen am Kanal



Am Kanal sieht man häufig Wildtiere, wie z.B. diese Kanadagänse ...



White-tailed Deer (deutsch Weißwedelhirsch)



Great Blue Heron (Amerikanischer Graureiher)



Vorsicht: Schildkröte auf dem Radweg!!




Der Leopards Mill Campground liegt besonders schön, wir zelten unmittelbar am Fluss. 
Die kostenlosen Hiker-Biker Campsites sind im Durchschnitt 
4 bis 8 Meilen voneinander entfernt.



Leopards Mill Campground:  Jeden Abend kochen wir auf dem Hobo ein leckeres Essen.
 Die frischen Zutaten kaufen wir uns tagsüber in einem der Orte, 
die in der Nähe des Kanals liegen.



Der Kanalweg als "grüner Tunnel"



Ehrenamtliche Helfer patroullieren täglich auf dem Kanalweg.



"Grüner Tunnel" (2)



Der Kanal macht müde!



Auf dem Rückweg nach Washington: Horseshoe Bend  Hiker-Biker Campsite



Horseshoe Bend  Hiker-Biker Campsite (2)



Schilderwald am Ortseingang von Brunswick (Maryland), wo wir für das Abendessen einkaufen und uns während eines Gewitters unterstellen. 
Ursprünglich hieß der Ort "Berlin", weil es hier viele deutsche Siedler gab.



Unser letzter Zeltplatz auf dem C&O-Kanal: Calico Rocks



Unwetterschäden: An unserem letzten Tag ist ein Teil des Kanalweges durch 
umgestürzte Bäume blockiert. Glücklicherweise können wir diesen 
Abschnitt auf Straßen und Feldwegen umfahren. 



Zurück am Kanal - nach Georgetown ist es jetzt nicht mehr allzu weit.



Schönes Schleusenwärterhäuschen kurz vor Georgetown ...



... aber ein paar Meilen weiter ist es mit Ruhe und Einsamkeit vorbei,
 wir stehen mitten in Washington, vor dem Kapitol, dem Sitz der 
beiden Kammern des amerikanischen Parlamentes.