Sonntag, 28. Oktober 2012

Spanien 4: Andalusien - Unterwegs nach Granada

10. bis 16. Oktober 2012

Wir brauchen noch ungefähr einen Tag, bis wir die Grenze zu Andalusien erreichen. Olivenplantagen, so weit das Auge reicht, bestimmen jetzt das Landschaftsbild. Kein Wunder, Spanien ist der größte Olivenölproduzent der Welt und 80% des spanischen Olivenöls stammen aus dem Norden Andalusiens.

Eine Zeitlang folgen wir dem Oberlauf des Guadalquivir, dann geht es wieder in die Berge, über das Städtchen Jodar und den malerischen Bergort Bedmar erreichen wir schließlich unser nächstes Ziel, Granada. Wir mieten uns für drei Tage mitten in der Altstadt ein, ganz in der Nähe der Alhambra, die wir von unserem Zimmerfenster aus sehen können.

Der Touristenandrang in Granada ist selbst jetzt in der Nebensaison unglaublich, aber auch nicht verwunderlich, bei einer Weltklasse-Sehenswürdigkeit wie der Alhambra. Die Palastburg aus der Zeit der Mauren thront auf einem Hügel hoch über der Stadt und wir werden nicht müde, sie von einem der vielen Miradore aus anzuschauen. Zwar kennen wir Granada schon von einem früheren kurzen Besuch, aber erst der längere Aufenthalt gibt uns Gelegenheit, diese schöne Stadt wirklich zu entdecken. Die Altstadt ist ein einmaliges Ensemble von verwinkelten Gassen, auch die Dichte an urigen Bars, Bodegas und Restaurants sucht ihresgleichen. Dabei findet sich eine gute Mischung aus Touristen und Einheimischen. Granada hat sich eben trotz des Besucherrummels seinen besonderen Charme bewahrt. Es fällt uns richtig schwer, von hier abzureisen.


Typisch für Andalusiens Norden:
Olivenplantagen - so weit das Auge reicht


El Toro über Andalusien


Auf einsamen Straßen Richtung Granada




Der malerische Bergort Bedmar




Landschaft bei Bedmar




Blick auf Granadas Altstadtviertel Albaycin -
rechts oben San Nicolas, von hier hat man den besten Blick auf die Alhambra




In der Alhambra (1)

In der Alhambra (2)




In der Alhambra (3)




In der Alhambra (4): Der berühmte "Patio de los Leones" 




Alhambra im Abendlicht - Blick vom Mirador San Nicolas


Gitanos spielen auf (Mirador San Nicolas)



Alhambra bei Nacht



In der Altstadt von Granada:
Wir lassen den Tag mit einem Kneipenbummel ausklingen ...




      Bodega Castaneda in Granada - hier essen wir besonders leckere Tapas




Blick aus unserem Hotelzimmer: Im Hintergrund die Alhambra

Freitag, 19. Oktober 2012

Spanien 3: Kastilien-La Mancha - Auf den Spuren von Don Quijote

7.10. bis 9.10.2012

Weiter geht es durch die Landschaft der Mancha - bekannt durch die Figur des Don Quijote de la Mancha aus dem gleichnamigen Roman von Cervantes. Hier erleben wir Spanien zum ersten Mal total flach. Nach den schwierigen Gebirgspassagen der letzten Tage hatten wir uns darauf besonders gefreut, aber schnell wird uns das Radeln in dieser eintönigen Gegend zu langweilig, zumal wir notgedrungen auf z.T. stärker befahrenen Straßen unterwegs sind und oft mit heftigem Gegenwind zu kämpfen haben. Schließlich haben wir die Nase voll von der  flachen Landschaft und machen einen Schlenker zu den Lagunen des Flüsschens Ruidera im Südosten von La Mancha.


Don Quijote ist in La Mancha allgegenwärtig



Die Strecke: Flach und langweilig.
Da wir nach Süden fahren, haben wir zudem meist die Sonne im Gesicht. Das nervt!



So ist seit zwei Wochen unser Wetter - nur von Wolken haben wir nichts gesehen.



Suchbild mit Uschi



Eine der berühmten Windmühlen von La Mancha


Windmühlen - Ensemble



Kanada? - Nein, Spanien! (Lagunas de Ruidera)



Yellowstone?  - Nein, Spanien! (Lagunas de Ruidera)


Sonntag, 7. Oktober 2012

Spanien 2: Kastilien-La Mancha - Durch Tajo Alto nach Cuenca

1.10. bis 6.10. 2012

In Kastilien-La Mancha führt unser Weg durch das Quellgebiet des Tajo, des längsten Flusses der Iberischen Halbinsel, in der "Serrania de Cuenca", einem Gebirgszug mit bis zu knapp 2000 m hohen Bergen. Ziel ist der Ort Cuenca mit seiner einmaligen Altstadt, Weltkulturerbe und spektakulär auf einem Felsplateau zwischen den Schluchten zweier Flüsse gelegen. Besonders sehenswert sind die "Casas colgatas", die "hängenden Häuser", die aus Platznot an den Schluchträndern gebaut wurden.


Herbststimmung in der Sierra (1)




Herbststimmung in der Sierra (2)




Leider geht' s danach genauso steil wieder hoch.




Schluchtstrecke "Hoz de Beteta" vor Cuenca




Eremitage in den Bergen



Cuenca im letzten Licht der Abendsonne




Cuenca: Der Erker im zweiten Haus von links gehört zu unserem Zimmer.




Blick aus unserem Zimmer




Casa Colgata (1)




Casa Colgata (2)




Cuenca: Abendstimmung auf dem Plaza Mayor

Montag, 1. Oktober 2012

Frankreich 4: Hybris, Fehlplanung und Wetterumschwung - Unser Scheitern in den Pyrenäen

25. und 26.9.2012

Wir machen in St.-Jean-Pied-de-Port einen Tag Pause und planen u.a. unsere Weiterreise über die Pyrenäen nach Spanien. Vor 11 Jahren folgten wir dem Jakobsweg über einen relativ niedrigen Pass. Auf Rennrädern und leicht beladen kam uns die Überquerung damals ziemlich einfach vor. Wohl deswegen nehmen wir die Pyrenäen als Gebirge nicht wirklich ernst und entscheiden uns ohne genaue Recherchen für den Col de Larrau (1573 m) als Übergang. Dieser Pass hat von St.-Jean-Pied-de-Port aus eine besonders lange Anfahrt, was eine moderate Steigung garantiert - so glauben wir jedenfalls. Am nächsten Tag gibt es ein böses Erwachen, als uns allmählich dämmert, worauf wir uns da eingelassen haben. Es geht zwar gemütlich los, aber dann haben wir einen beinharten Anstieg, kilometerlang mehr als 11 %, zum Col d'Iraty (1327 m), auch Col de Bagargi genannt, der auf unserer nagelneuen Pyrenäenkarte nicht einmal verzeichnet ist. Von der Passhöhe geht es in atemberaubend steiler Abfahrt wieder runter auf gut 600 m zum Dorf Larrau. Erst hier beginnt der Schlussanstieg zum Pyrenäenhauptkamm über den Col de Larrau, noch einmal 12 km und ca. 1000 Höhenmeter.

Hätten wir doch mal besser recherchiert! Laut www.quaeldich.de ist der Col de Larrau nicht zuletzt wegen der schwierigen Vorpässe einer der härtesten Pässe in den Pyrenäen und gehört zu den Kategorie-I-Pässen bei der Tour de France!! Aber das erfahren wir erst am nächsten Tag von Einheimischen. Für heute machen wir Schluss, nach knapp 1500 knallharten Höhenmetern auf nur 45 km haben wir die Nase voll und bleiben auf dem kleinen Campingplatz in Larrau. Ausgerechnet jetzt schlägt das Wetter um, es schüttet die ganze Nacht wie aus Eimern. Am nächsten Morgen wird es zwar allmählich trocken, aber in Richtung Pass sieht es noch übel aus. Die Einheimischen raten uns vom Pass ab. Auf unsere Frage nach den Wetteraussichten für die nächsten Tage ist die Antwort kurz und knapp: Mauvais (schlecht). Schweren Herzens drehen wir unsere Räder talwärts und fahren ca. 60 km bis zur nächsten größeren Stadt und nehmen den Bus über den Somport-Pass bis nach Canfranc auf der spanischen Seite des Pyrenäenhauptkamms.


Im Anstieg auf den Col d'Iraty



11% Steigung - leider nicht nur auf 0,5 km



Wir sind noch NICHT oben - Zwischenpass auf dem Weg zum Col d'Iraty



Verschnaufpause hinter dem Col d'Iraty



Abfahrt nach Larrau (I)



Abfahrt nach Larrau (II)



Larrau: Regen - Frühstück unterm Tarp



"Mauvais": Blick hinauf zum Col de Larrau



Das war unsere Route durch Frankreich:


                    Frankreich 2012

StepMap Frankreich 2012


Spanien 1: Durch Aragon - Schluchten, Dörfer, Zaragoza

27.9.2012 bis 30.9.2012

Unsere Strecke durch Spanien sieht grob geplant so aus:


Spanien

StepMap Spanien


Wir wollen das Land von Norden nach Süden durchqueren, von den Pyrenäen über Jaca und Zaragoza (Aragonien), Cuenca (Kastilien- La Mancha), Granada und Ronda (Andalusien) nach Gibraltar. Von dort soll es dann mit dem Bus über Sevilla zurück nach Madrid gehen.

Unsere erste Stadt in Spanien ist Jaca im äußersten Norden von Aragonien, wo wir schon gegen Mittag ankommen. Als wir voller Tatendrang den Ort erkunden wollen, lernen wir gleich unsere erste spanische Lektion: Am Nachmittag läuft in diesem Land gar nichts. Fast alle Geschäfte schließen spätestens um 14 Uhr, oft früher, und öffnen erst wieder ab 17.30 Uhr. Selbst größere Ortschaften fallen während der Siesta in eine Art Koma, die Straßen sind wir leer gefegt, als seien alle Bewohner vor einer schlimmen Seuche geflüchtet. Manchmal ist uns das geradezu unheimlich. Sogar in den sonst so gut besuchten Bars und Cafes lärmt um diese Zeit nur der Fernseher. Einen Kaffee bekommt man zwar immer, aber als wir einmal am Nachmittag in einem Restaurant Essen bestellen wollen, ernten wir nur missbilligende Blicke. Gegen Abend füllen sich die Straßen wieder, bis spät in die Nacht herrscht dann auf Plätzen und in Restaurants, Bars etc. Hochbetrieb. Dabei sind die Spanier immer mit Kind und Kegel unterwegs. Es ist nicht ungewöhnlich, dass nachts um 23 Uhr noch Babys durch die Stadt geschoben werden oder in überfüllten Tapas-Bars ausharren müssen.

Auf dem Wege nach Zaragoza merken wir schnell, dass in Spanien auch sonst vieles anders ist als in Mitteleuropa. Spanien ist fast anderthalbmal so groß wie Deutschland, hat aber nur 47 Millionen Einwohner. Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 93 Einwohnern/qkm (Deutschland: 229 Einwohner/qkm). Diese Zahlen sagen aber noch nicht alles, weil sich die spanische Bevölkerung in den Metropolen und an den Küsten konzentriert. Das Landesinnere ist außerhalb der Städte quasi unbewohnt. In Aragonien, der am dünnsten besiedelten Region Spaniens, aber auch später in Kastilien begegnet  uns manchmal stundenlang nur eine Handvoll Autos. Uns scheint, wir radeln durch ein leeres Land. Die Landschaftseindrücke sind überwältigend und für Europa einmalig. So eine Weite und Einsamkeit kennen wir sonst nur aus den USA. Auch die Farben, Rot, Gelb, Ocker, die Sierras, Schluchten und  Erosionsformen erinnern uns sehr an den Süd-Westen der USA, Utah und Arizona.

Bei aller Schönheit - einladend wirkt die Natur hier nicht gerade, im Gegenteil, eher schroff und abweisend. Selbst im Oktober wird es tagsüber noch sehr heiß - was für ein Glutofen muss das hier im Sommer sein! Der Boden ist karg und trocken und sieht jetzt im Herbst geradezu wüstenhaft aus.

Besonders beeindruckend finden wir in Aragonien die Dörfer. Meist liegen sie sehr fotogen auf Hügeln, dominiert von einer mächtigen Kirche und oft zusätzlich von einer Burg, die Häuser alle im traditionellen Stil erbaut aus den typischen Steinen der Region. Man hat den Eindruck, dass hier die Zeit stehengeblieben ist, und fühlt sich ins Mittelalter zurückversetzt. Oft sehen wir aber auch unbewohnte und verfallen(d)e Häuser. Die gepflasterten Gassen sind fast menschenleer, junge Menschen sehen wir fast nie, allenfalls ein paar alte Leute, die auf den Brotwagen aus dem nächsten größeren Ort warten.  Was für die Touristen vielleicht pittoresk wirken mag, hat für die Bewohner eine ganz andere Realität. In den letzten Jahrzehnten hat in Spanien eine dramatische Landflucht stattgefunden. Die Menschen zieht es in die großen Städte und die boomenden Küstenregionen.

Nach wenigen Tagen erreichen wir Zaragoza und können nach der einsamen Zeit in den Bergen etwas Großstadtluft schnuppern.....




Zitadelle von Jaca: Blick zurück auf die Pyrenäen


Felsenkloster San Juan de la Pena: Kreuzgang aus dem 11. Jahrhundert




Rote Felsen wie sonst nur in Utah: Die Mallas (Vor-Pyrenäen)




Geier-Suchbild:
Wie viele der Riesenvögel sitzen hier in ihren Felshöhlen?
Nach Wiederansiedlungsprogrammen gibt es in Spanien wieder einige tausend Geier. Sie können nur deswegen überleben, weil sie von Menschen gefüttert werden, z.B. mit Schlachtabfällen aus der Massentierhaltung ....

.


... oder wie hier mit Jagdabfällen. Wie allerdings der Wanderstiefel und das Essbesteck zu dem Wildschweinkadaver gekommen sind, darüber kann man nur Mutmaßungen anstellen.




Die Farben Gelb und Braun dominieren die Landschaft.




Dorf in Aragon (1)




Dorf in Aragon (2)




Kein Durchkommen zur Jalon-Schlucht: Ein Staudammprojekt versperrt den Weg




Wir suchen eine Alternativstrecke durch die Jalon-Schlucht




Vergeblich! Kurz hinter dieser Ruine geben wir auf .... 




 und fahren bzw. schieben durch die untere Jalon-Schlucht ...



z.T durch Bambus-Dschungel ...



... bis zum Dorf Ricla. Hier steigen wir in den Zug und 
durchfahren die Schluchtstrecke mit der Eisenbahn.




Zaragoza: Marienwallfahrtskirche Basilika del Pilar 
und Brücke aus dem Mittelalter bei Vollmond (!)




 Bomben als Kirchenschmuck: Diese beiden Bomben sind bei einem Luftangriff auf  die Basilika während des spanischen Bürgerkrieges nicht explodiert. 
Welch ein Beweis für die Wunderkraft Mariens!